Es auf die Spitze treiben - Is ja mega, geht aber gar nit

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Das wird uns nicht unbedingt beigebracht. Es ist sogar ganz unerhört. Eltern nutzen den Satz auch eher, um ihren Spross zu zügeln und mahnen: „Musst Du es schon wieder auf die Spitze treiben?“ Aber ganz unbedingt. Ja warum denn nicht? Wir tun absolut gut daran, es auf die Spitze zu treiben, es bis zum Anschlag zu forcieren, es voran zu treiben, Gas zu geben, von Null auf Hundert in drei Sekunden zu beschleunigen, es dermassen krachen zu lassen, dass der Äquator keucht und droht, zu zerreissen und überhaupt die Party unseres Hierseins ordentlich zu feiern.
Aber aufgepasst. Begeisterte Menschen fallen auf. Sie erwecken in anderen einen Mix aus Kopfschütteln, Bewunderung und Unverständnis. Man kann kurzfristig begeistert sein.

Längerfristig wird es verdächtig. Geschlossene Anstalten und Beta-Blocker hätten ihre wahre Freunde an uns, so wie ein Jäger eben auch gerne den grössten Bock schiesst. Wenn Sie begeistert sind, dann sind Sie der grösste Bock. Und überschwängliche Begeisterung kann ja auch in der Tat anstrengend sein. Allzu auffälligen Strahlemnännern und Strahlefrauen will niemand gerne an der Bar begegnen. Sie wirken aufgesetzt, sie wirken wie Karneval. Doch Venedig ist ok für einen Tag, aber eben nicht länger.

Smarte Begeisterung ist da viel besser und ist die Tragfläche, auf der wir langfristig viel schöner durch die Zeit gleiten. Smarte Begeisterung ist wirklich so mit das Beste, was geht. Smarte Begeisterung, das ist wie Tanzen. Und wenn wir erst einmal tanzen. Was da nicht alles passieren kann. Wenn wir tanzen, öffnen sich Türen und und Tore. Es passieren ganz ungeheuerliche Dinge, die keinesfalls vorwegzunehmen waren. Wir sagen dann: „Dem Himmel sei Dank“ und hatten doch nur getanzt. Smarte Begeisterung erobert Herzen im Sturm, weil sie sich irgendwie selbst aus der Zeit stiehlt.

Die meisten Menschen sind in der Zeit gefangen. Wenn man in der Zeit gefangen ist, ist man ein bisschen weniger glücklich, weniger spontan und eher einfach mal so da. Wenn man smart begeistert ist, dann ist man im Augenblick und gibt dem Jetzt die Chance, die es verdient. Da wir uns das alle wünschen ist es ungeheuer anziehend und attraktiv, wenn wir es an anderen bemerken. Denn wir sehen einen Menschen, der mit sich im Reinen ist, der nur hier und gerade jetzt voll da ist und im Meer der Zeit kraftvoll seine Bahnen zieht. Ein äusserst seltenes Exemplar unserer Spezies. Fast schon ein kleines Wunder.

Dieses kleine Energiebündel hat nichts besseres zu tun, als jetzt gerade ganz spontan und glücklich präsent zu sein und seine Kreise zu ziehen. Da staunt man nicht schlecht. Wie macht es das? Wo lässt es die tausend Fragen, die uns auf dem Magen liegen, wo sind die Zweifel? Wo die ganzen Unaufgeräumtheiten und kleinen Plagegeister, die uns doch so zu schaffen machen? Das kann man doch alles nicht vergessen und hinter sich lassen. Das kann, ja das darf man doch nicht ignorieren. Is ja mega, geht aber gar nit.

Aber manchmal muss auch sein, was gar nicht geht, muss es auch geben, was es nicht gibt, muss leben was schon tot war und in die Welt kommen, was sich zuvor noch niemand vorstellen konnte. Die Welt braucht Ihren Himmel zurück, vor jedem Engel liegt eine Menge Arbeit und es bleibt zu hoffen, dass auch der liebe Gott bald wieder die Eier hat, sich blicken zu lassen. Es ist höchste Eisenbahn. Und vielleicht ist ja wirklich alles mega und geht ja doch. Es geht ganz unerhört. Es geht ganz wunderbar. Es geht. Einem jeden gehört die ganz eigene Welt gerettet. In jedem Fall.

Have a great day…and a good life!