Spielen wie die Kinder

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In einer Welt zu leben, die jeden Tag für eine Überraschung gut ist, ist für Kinder meistens fein, für die Grossen aber eher weniger lustig und auch nichts, was man zwingend sucht. Und doch ist Abwechslung etwas, wonach wir uns alle insgeheim auch sehnen. Ohne Neues wird das Leben schal und abgestanden und fühlt sich irgendwann nur noch nach Vergangenheit an. Am liebsten aber hätten wir die Umstände wohl geordnet in Ihrem Idealzustand und dazu obendrauf dann als Sahnehaube die Abwechslung, und zwar bitteschön die von der guten, süssen Sorte.

Aber so läuft das nicht. Das Spiel funktioniert anders. Was wir immerhin sagen können ist, dass Abwechslung auf unserem Planeten inzwischen zur Tagesordnung gehört und wir in den daily news mit Neuigkeiten, die aufhorchen lassen, geradezu verschwenderisch verwöhnt werden. Ob es sich dabei um das Aussterben einer Art handelt, die nicht Homo Sapiens heisst, um ein Erdbeben, politische Unruhen oder aber den 90sten Geburtstag der Queen – es ist immer was los auf Planet Earth. Und doch haben wir immer weniger zu lachen.

Denn irgendwie und sowieso sind wir auf die vielen Abwechslungen gar nicht so recht vorbereitet. Man hat uns zu Höherem erzogen: Zu Ordnung und Geradlinigkeit, zur regelmässigen Einzahlung in Lebensversicherungen, Leasingraten und einem Weihnachtsfest mit Christbaum, zu kleinen Gehaltserhöhungen zur rechten Zeit und einem faden Faden, an dem wir uns eher schlecht als recht, aber immerhin überschaubar kontrolliert entlang hangeln bis ans Ende der Fahnenstange, von der wir uns zum Schluss dann sehr viel Gutes erhoffen, das wir aber noch nicht so ganz klar definiert haben.

Aber wir hoffen, es wird gut und wünschen uns auch, dass der Ruhestand viel Gutes im Gepäck hat. Dass wir zu dem Drittel gehören könnten, das gleich darauf stirbt, darauf wollen wir nicht wetten und es auch gar nicht so genau wissen. Das Leben hat uns nicht verwöhnt, aber dann, das steht freilich ausser Frage, dann zum Ende hin, da kommt die Fackel, die uns aus der Verschwommenheit langjährigen Schlafwandelns den Weg weist in ein helles Licht voller Klarheit und Schönheit. So ein Licht wird schnell fehlinterpretiert. Gemeinhin denkt man, es fängt dann etwas Neues an, während doch gerade etwas endet. Ob es vielleicht Rösser kübeln wird, wir wissen es nicht und hoffen das Beste. Aber über das helle Licht am Ende des Tunnels sind sich alle einig. Soviel Einigkeit gibt es sonst nur in Parteien nach einer haushoch gewonnenen Wahl.

Aber beim Ruhestand und sonstigen finalen Wechseln sind wir ja noch gar nicht. Sondern wir sind hier ja noch im Carpe-Diem-Modus, den Täglich-Brot-Veränderungen und den Machenschaften einer Welt, die uns Veränderung um die Ohren haut, wie alte ehrwürdige Religionslehrer die Backpfeifen. Wir hoffen auch hier, dass alles einem guten Zweck dient und einen Sinn haben mag. Aber wie so oft, stirbt die Hoffnung auch hier zuweilen ganz am Ende, wenn überhaupt und tut sonst nichts für uns. Sie ist der Jammerlappen, in den wir unsere Tränen schneuzen.

Was also tun in einer Horde wild umherlaufender Homo Sapi ohne Sapientia und einem Planeten, der sich gefühlt immer schneller dreht, so dass man ganz unweigerlich an einen Strudel erinnert wird, der kein Apfelstrudel ist, sich aber schnell in ein Schwarzes Loch hinein bewegt? Füsse stillhalten geht gar nicht und den Quo-Vadis-Fragemodus lässt man auch besser ausgeschaltet.

Weisheit könnte helfen, Einkehr und Meditation, die Abwendung von allem was nicht wirklich zählt, gepaart mit einer wie durch ein Wunder neu gewonnenen Neugierde und einem spielerischen Agieren im Try-und-Error-Modus. Denn wir wissen, dass vieles nicht mehr funktioniert. Aber wir müssen herausfinden, was geht. Das geht nicht akademisch, sondern im Stehaufmännchen-Modus.

Verantwortung hat mehr mit Versuchen als mit Versuchung zu tun. Wir müssen es also machen wie die Kinder und Neues offenen Herzens ausprobieren. Und vielleicht gelingen plötzlich Dinge, die wir nicht zu hoffen gewagt hätten, selbst nachdem wir die Hoffnung vom Hof gejagt hatten. Und vielleicht kommt ja dann wirklich ein helles Licht auf uns zu, das noch nichts von der Ewigkeit in sich trägt, aber eine ganz knallharte Wirklichkeit im Gepäck hat, die voller spielerischer Launen Gutes mit sich bringt und uns in einer Gegenwart auffängt, die Abwechslung und Neuigkeiten begrüsst, weil wir begriffen haben, wie schön es ist, dem Wandel in einer Welt im Umbruch aktiv entgegen zu gehen. Quo vadis? Was weiss denn ich…und gehe fröhlich weiter…

Have a great day…and a good life!